Naturgefahr im Fokus: Was Schweizer Unternehmen jetzt über Permafrost wissen müssen
Die aktuelle Lawinensituation in den Alpen führt es deutlich vor Augen: Naturgefahren können den Betrieb von Unternehmen kurzfristig und spürbar beeinträchtigen – durch gesperrte Zufahrten, unterbrochene Lieferketten oder Sicherheitsmassnahmen. Während Lawinen akute Ereignisse sind, entwickelt sich parallel ein weniger sichtbares, aber langfristig ebenso relevantes Risiko: das Auftauen des Permafrosts.
Was Permafrost ist – und warum er für Unternehmen wichtig wird
Permafrost bezeichnet dauerhaft gefrorenen Boden oder Fels, der über mindestens zwei Jahre Temperaturen unter null Grad aufweist. In den Alpen kommt er vor allem in Höhenlagen ab etwa 2’400 bis 3’000 Metern vor – häufig unsichtbar im Untergrund. Dort wirkt das Eis wie ein natürlicher Klebstoff, der Fels und Schutt stabilisiert.
Mit steigenden Temperaturen taut dieses Eis zunehmend auf. Die Folge: Fels verliert an innerem Halt, Hänge werden instabil und der Untergrund beginnt sich zu setzen oder zu bewegen. In den letzten Jahren wurden vermehrt Felsstürze, Steinschlagereignisse, Murgänge und langsame Hangverformungen beobachtet – insbesondere nach warmen Sommern oder intensiven Niederschlägen. Anders als Lawinen wirkt dieser Prozess schleichend, kann aber erhebliche Schäden verursachen.
Welche Risiken sich für Schweizer Unternehmen ergeben
Für Unternehmen mit Infrastruktur im alpinen Raum entstehen vor allem drei Ebenen von Auswirkungen.
- Erstens nehmen physische Risiken zu. Fundamente von Bergstationen, Masten, Hütten oder technischen Anlagen können sich verformen, während instabile Hänge zu Steinschlag oder temporären Sperrungen von Zufahrten führen. Gleichzeitig steigt der Unterhaltsbedarf, weil Bauwerke häufiger überwacht, verstärkt oder angepasst werden müssen.
- Zweitens entstehen finanzielle und regulatorische Konsequenzen. Investitionen in Sicherungsmassnahmen und Monitoring werden zur neuen Normalität, Versicherungen reagieren mit höheren Prämien oder strengeren Bedingungen, und bei Neubauten verlangen Behörden zunehmend geotechnische Nachweise und Gefahrenbeurteilungen. Zudem gewinnen physische Klimarisiken im Rahmen von Nachhaltigkeits- und Risikoberichterstattung an Bedeutung.
- Drittens betrifft das Thema die Reputation. Sicherheit und Verlässlichkeit sind zentrale Erwartungen von Kunden, Gästen, Partnern und Behörden. Unternehmen, die Risiken früh erkennen und aktiv managen, stärken Vertrauen und sichern ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Besonders betroffen sind der Tourismus und Bergbahnen, Energie- und Versorgungsunternehmen, Transport- und Telekommunikationsbetreiber sowie Bau- und Infrastrukturprojekte in Hochlagen.
Vom Risiko zur Handlungsstrategie
Die gute Nachricht: Permafrost-Risiken lassen sich managen – vorausgesetzt, sie werden frühzeitig in die Planung einbezogen.
Entscheidend ist zunächst Transparenz: Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Anlagen oder Projekte in exponierten Höhenlagen liegen und welche Gefahrenkarten oder geotechnischen Einschätzungen vorliegen. Darauf aufbauend gewinnen Monitoring und Frühwarnsysteme an Bedeutung, etwa durch geodätische Messungen, Sensorik oder satellitengestützte Bewegungsanalysen.
Bei Neubauten und Sanierungen geht es zunehmend um angepasste Bauweisen – beispielsweise verstärkte oder flexible Fundamente, zusätzliche Verankerungen oder konservativere Sicherheitsreserven. Parallel sollten physische Klimarisiken systematisch in Investitionsentscheidungen, Versicherungsstrategien und das übergeordnete Risikomanagement integriert werden.
Akut und schleichend zugleich
Die aktuelle Lawinensituation zeigt die kurzfristige Seite alpiner Naturgefahren. Das Auftauen des Permafrosts dagegen verändert die Stabilität des Hochgebirges langfristig und strukturell. Beides gehört heute zusammen: akute Ereignisse nehmen aufgrund des Klimawandels zu, während sich gleichzeitig die geotechnischen Rahmenbedingungen dauerhaft verändern.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen kurzen Realitätscheck: Liegen eigene Anlagen, Projekte oder kritische Lieferwege im alpinen Raum? Gibt es aktuelle Gefahreneinschätzungen und ein Monitoring? Und sind physische Klimarisiken bereits im Risiko- und Investitionsprozess verankert? Wir unterstützen Sie dabei. Nehmen Sie mit uns Kontakt auf, damit wir gemeinsam die notwendige Transparenz schaffen können.
Unternehmen, die proaktiv handeln, vermeiden nicht nur unerwartete Kosten und Betriebsunterbrüche – sie sichern ihre Infrastruktur, ihre Planungssicherheit und ihr Vertrauen im Markt. Permafrost ist unsichtbar. Seine Auswirkungen sind es nicht.
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