Funk Global Risk Consensus 2021: Ein neutraler Blick auf die wichtigsten Risiken von Unternehmen

Cyber-Risiken rangieren in der Risikobeurteilung von Unternehmen weiterhin an erster Stelle. Das zeigt der Global Risk Consensus 2021 von Funk. Die zweitgrösste Bedrohung für die Wirtschaft bilden Nicht-Berufskrankheiten. Dieses Risiko schaffte es aus dem Nichts unter die globalen Top-Risiken und zeugt von einer steigenden Sensibilisierung des Gesundheitsthema durch die Coronakrise.

Den massiven Auswirkungen der Coronakrise auf die globalen Lieferketten und auf die immensen Investitionen in das Krisenmanagement zum Trotz werden Cyber-Risiken von der globalen Wirtschaft weiterhin als grösste Bedrohung wahrgenommen. Dieses Resultat liefert die Analyse und die objektive Auswertung verschiedener globaler Risiko-Studien und -Umfragen, welche das Funk RiskLab in Zürich alljährlich erstellt. Für den Funk Global Risk Consensus wertet das RiskLab führende Studien und Risikoreporte über globale Unternehmensrisiken aus und konsolidiert deren Ergebnisse in einem Ranking, dem Global Risk Consensus.

Das Ranking der 5 globalen Top Risiken für Unternehmen

Wie in den Vorjahren fühlen sich Unternehmen auch in der Coronakrise von Cyber-Risiken am meisten bedroht. Die Professionalität der Angreifer (gezielte Arbeitsteilung von Angreifern und effizientere und effektivere Angriffsprozesse) entwickelt sich dynamisch und stellt alle Unternehmen vor wachsende Herausforderungen. Die Coronakrise hat diese Entwicklung verschärft, mussten doch im Frühjahr 2021 praktisch über Nacht und weitgehend unvorbereitet Millionen von Büroarbeitsplätzen ins Homeoffice verlagert werden. Dies erleichterte Cyber-Kriminellen den Einstieg in Unternehmensnetzwerke. Das Ausmass potentieller Schäden kann aktuell noch nicht abgeschätzt werden.

Erstmals seit dem regelmässigen Erscheinen des Funk Global Risk Consensus schafften sogenannte "Nicht-Berufskrankheiten" praktisch aus dem Nichts den Sprung in die Top 5 der Unternehmensrisiken. Eine Pandemie wurde in den Vorjahren von keiner der zugrundeliegenden Studien als grosses Risiko erfasst. Das Pandemie-Risiko verschwand nach einem international bedeutenden Ereignis (z.B. Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS, Ebola) relativ rasch von den Risikolisten der Unternehmen, weil die Eintrittswahrscheinlichkeit als sehr gering eingeschätzt wurde. Dies zeigt, dass auch Risikospezialisten und das Management schnell vergessen und ihren Fokus auf offenkundige Risiken ausrichten und dadurch latente Risiken vernachlässigen. Es liegt auf der Hand, dass das Risiko einer Pandemie mit ihren enormen Auswirkungen und der unterschätzten Wahrscheinlichkeit durch die Coronakrise deutlich an Relevanz gewonnen hat. Offen ist, wie lange das Pandemie-Risiko im Bewusstsein von Unternehmensleitungen bleiben wird.

Gleich gewichtet wie in den beiden Vorjahren, jedoch um einen Rang zurückgestuft, wurde das Risiko der schnellen Veränderungen bezüglich nationaler und internationaler Regulierungen. In Zeiten der grossen Veränderungen (Digitalisierung, Klimawandel, Energiewende, weltpolitische Machtverschiebungen) bleibt dieses Risiko auf dem Monitor der Risikomanager.

Ungünstige Marktentwicklungen rangieren in der Einschätzung von Risikospezialisten und dem Management weiterhin und den Top 5 Risiken für Unternehmen. Angesichts der aktuellen globalen Unsicherheiten und den weitreichenden Folgen im Zusammenhang mit den Risiken auf den Rängen 1 bis 3 sowie der damit einhergehenden konjunkturellen Unwägbarkeiten ist diese Einschätzung sehr gut nachvollziehbar.

Auch der globale Klimawandel hinterlässt seine Spuren in der Risikobeurteilung. Der Trend zu mehr und größeren Überschwemmungen, langen Dürreperioden und großen Sturmfronten manifestiert sich überdeutlich in den Risikoberichten führender Organisationen. Die Klimaveränderung zieht nicht nur ganze Industrie- oder Tourismusregionen in Mitleidenschaft, sondern auch die globalen Lieferketten von Unternehmen. Besonders bedeutend waren die wirtschaftlichen Auswirkungen extremer Wetterereignisse 2020 in den Regionen Asien, Pazifik und in Nordamerika.

Im direkten Vergleich zum Vorjahr kann festgestellt werden, dass sich das Risiko "Fachkräftemangel" vom Rang 4 im Jahr 2020 aus den Top 10 Risiken der Unternehmen verabschiedet hat. Dies mag ein kurzfristig, Corona-bedingtes Phänomen sein.

Systematik

Damit der Funk Global Risk Consensus so neutral wie möglich ist, werden die erfassten Risiken aus den fünf ausgewerteten Studien in eine Rangliste gebracht. Da in jeder Studie bereits eine Bewertung aufgrund der Anzahl Nennungen vorhanden ist, benutzt Funk ein einfaches Punktesystem, um die Risiken zu bewerten. Ist ein Risiko bei einer Studie auf Platz eins, wird es mit 10 Punkten bewertet, ist es auf Platz 10 mit einem Punkt. Danach werden die Punkte der Risiken von allen Studien zusammengezählt. Dadurch entsteht eine neutrale Rangliste im Funk Global Risk Consensus, da so nur Risiken, die in mehreren Studien auf den vorderen Plätzen genannt werden es auch im Funk Global Risk Consensus in die vorderen Plätze schaffen. Sollten zwei oder mehrere Risiken den selben Score erhalten, zählt das Risiko als "grösser", welches in mehr Studien genannt wurde.

Warum ein globaler Risk Consensus Sinn macht

Jedes Jahr führen namhafte Unternehmen und Institute Umfragen und Analysen durch, um die Stimmungen im wirtschaftlichen Umfeld zu untersuchen. Ein spezieller Fokus wird dabei auf diejenigen Risiken gelegt, mit denen Unternehmen jeweils aktuell konfrontiert sind. Zudem werden Risiken identifiziert, die im folgenden Geschäftsjahr als besonders besorgniserregend eingestuft werden. Aus den Antworten werden dann meist die Top-10 Risiken ermittelt und anschliessend medial verbreitet. Die Resultate einzelner Studien sind jedoch mit Vorsicht zu geniessen, da sie tendenziell durch voreingenommene Fragestellungen und Auswertungen beeinflusst werden können. Ein "Studien-Bias" kann auch bei grossen Namen nicht ausgeschlossen werden.

Um den Marktteilnehmern einen neutralen Überblick zu verschaffen, ist es sinnvoll, den "Studien-Bias" bestmöglich zu eliminieren. Hier setzt der Funk Global Risk Consensus an. Für den Funk Global Risk Consensus werden fünf jährlich wiederkehrende Studien und Risikoreports konsolidiert und ausgewertet. Dies stellt sicher, dass eine verlässliche und vergleichbare Datenbasis vorliegt. Die Studienauswahl umfasst Arbeiten von Rück- und Direktversicherern, Beratungsgesellschaften, wissenschaftlichen Instituten und dem World Economic Forum (WEF). Die getroffene Auswahl garantiert Vielfältigkeit und ermöglicht eine ausgewogene Auswertung.

Die Basis zum Funk Global Risk Consensus bilden die Studien mit dem Erhebungszeitraum Q4 des Vorjahres.

Erfasste Studien und jeweiliges Studienziel

Folgende fünf Studien werden für den Funk Global Risk Consensus ausgewertet:

Allianz Risk Barometer – Befragung von ca. 3'000 Risikomanagement Experten in gut 100 Ländern. Ziel ist es die wichtigsten Betriebsrisiken zu bestimmen.

(World Economic Forum mit Beratungs- und Versicherungspartnern, National University of Singapore, Oxford Martin School -  University of Oxford, Wharton Risk Management and Decision Processes Center - University of Pennsylvania): The Global Risks Report - Als Grundlage dient die Global Risks Perception Survey welche die rund 800 Mitglieder des WEF ausgefüllt haben. Zusätzlich wurden noch gut 200 Mitglieder der Global Sharpers Community befragt. Das Ziel ist aufgrund der Antworten zusammen nachhaltige Lösungen für die wichtigsten Risiken zu finden.

BCI Horizon Risk Scan - Das BCI hat über 9'000 Mitglieder in über 100 Ländern, welche für den Horizon Risk Scan befragt werden. Das Ziel ist Firmen widerstandsfähiger zu machen.

Annual Global CEO Survey - über 5'000 CEOs aus 100 Ländern werden für die jeweilige Ausgabe befragt.

(Research conducted by NC State University's ERM initiative and Protiviti): Executive Perspective on Top Risks - Befragung von ca. 1'100 Board Members und Executives weltweit. Das Ziel ist es, Firmen eine vereinfachte Handhabung von Risiken zu ermöglich.

Eintrittswahrscheinlichkeit - Scheingenauigkeit mit Folgen

Die aktuelle Pandemie hat die Gesellschaft und somit auch die Unternehmen völlig überraschend getroffen. Eine der möglichen Ursachen für den Überraschungseffekt ist die Risikobewertung im Zuge des Risikomanagements, die unter anderem oft anhand von Eintrittswahrscheinlichkeiten erfolgt.

Die Einschätzung der Eintrittswahrscheinlichkeit ist eine der grössten Herausforderungen im Risikomanagement-Prozess. Eintrittswahrscheinlichkeiten sind oft nur scheingenau und führen meist zur Unterschätzung von Risiken. So ist es ein grosser Unterschied, ob eine Eintrittswahrscheinlichkeit als klein beurteilt wird oder ob im Risikobericht die Eintrittswahrscheinlichkeit nicht beurteilt werden kann.

Es bedarf also eines Umdenkens und der Einsicht, dass wir zukünftige extreme Ereignisse nicht vorhersagen können und uns deshalb im Rahmen der unternehmerischen Möglichkeiten auf diese vorbereiten müssen. Ergänzend dazu sollten Risikoaspekte bei unternehmerischen Entscheidungen verstärkt berücksichtigt werden. So könnte zum Beispiel eine Lieferantenentscheidung aus Risikoüberlegungen zu Gunsten eines inländischen Anbieters ausfallen, statt auf einen kostengünstigeren Anbieter in einem fernen Land zu setzen.

Welche Risiken mit massiven globalen Auswirkungen werden wie die Pandemie potentiell unterschätzt?


Unterbruch des Internets

  • Durch Infrastrukturschäden (z.B. gleichzeitiger Ausfall mehrerer Unterwasserkabel und folglich limitierter Kapazität, welche wohl dann von den Staaten kontrolliert wird und nicht mehr frei Verfügbar wäre
  • Massive Cyberangriffe, die mehrere ISPs funktionsuntüchtig machen
  • Software Bugs, die mehrere ISPs funktionsuntüchtig machen

Ausfall der Kommunikationsinfrastruktur

  • ähnlich wie beim Unterbruch des Internets
  • Ausfall vieler Satelliten (z.B. Sonnensturm, Meteorschauer)

Stromausfall in den grössten globalen Wirtschaftszentren

  • Durch Cyberangriffe
  • Infrastrukturschäden (z.B. Sonnensturm, welcher weltweit viele Transistoren zerstört)

Ausbruch eines Supervulkans

  • Kontinentale Zerstörung und einhergehenden Erdbeben
  • Vulkanische Winter mit mittelfristigen Ernteausfällen
  • Auswanderungswellen

Globaler Schädlingsbefall

  • Rasche Ausbreitung eines Schädlings/Pilzes/Bakteriums, welches grosse Bestände von Kulturpflanzen befällt und zu massiven Ernteausfällen führt

 



Ihr Ansprechpartner

Stefan Brändli

Risk Analyst

MSc ERDW ETHZ


Telefon +41 58 311 05 79
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Medienmitteilung

20. Mai 2021
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