Aktuelles aus dem Markt - Interview mit Fachspezialisten Angelo Renfer
Die Personenversicherungen stellen üblicherweise einen namhaften Kostenblock für soziale Institutionen dar. Im Interview spricht Angelo Renfer über aktuelle Entwicklungen im Markt, Sanierungsmassnahmen, Best-Practice-Ansätzen und Ansatzpunkten für die Absenzprävention.
Angelo, Du bist Fachexperte für Personenversicherungen bei der Funk Gruppe und betreust zudem als Mandatsleiter soziale Institutionen in der Innerschweiz. Die Kosten für Personenversicherungen gehen ins Geld und es scheint, das die Preisspirale nach oben immer weiter geht. Welche Entwicklungen beobachtest Du in diesem Bereich?
Nach einem – in Bezug auf die krankheitsbedingten Kurzabsenzen – historischen ersten Quartal 2022 aufgrund der Corona-Variante Omikron, sinken die Fehlzeiten in vielen Institutionen nur langsam wieder auf Vor-Corona-Niveau. Omikron hat im ersten Quartal 2022 in der Gesundheitsbranche zu einem Anstieg der Kosten für Kurzabsenzen (1. – 14. Tag) von über 250 Prozent gegenüber dem Mittelwert von 2017-2019 (vor Corona) geführt. Die Haupttreiber für krankheitsbedingte Fehlzeiten akzentuieren sich weiter in den beiden übergreifenden Diagnosen «Psychische-» und «Muskel/Skelett-Erkrankungen». Der branchenübergreifende Fachkräftemangel überlastet Arbeitnehmende zusehends. Es resultieren Absenzen, welche durch die Kolleginnen und Kollegen im Betrieb abgefedert werden müssen und so zu weiteren Überlastungen und Ausfällen führt, wirklich ein Teufelskreis. Diese und weitere Faktoren führen dazu, dass die Personenversicherer die Prämien zusätzlich vorsichtig kalkulieren und tendenziell mit negativen Verläufen bei Betrieben aus der Gesundheitsbranche rechnen und entsprechend hoch tarifieren. Die Situation am Versicherungsmarkt entspricht somit einem Anbietermarkt, wo die Nachfrage nach günstigen Versicherungen grösser ist als das Angebot respektive die Bereitschaft günstige Prämien anzubieten.
Du sprichst damit beispielsweise Sanierungsmassnahmen von Versicherungsgesellschaften an und sprichst von einem Anbietermarkt. Heisst das, dass die Institutionen keine anderen Möglichkeiten haben, als diese zu akzeptieren?
Das stimmt nur begrenzt. Funk hat Mittel und Wege gefunden, damit Mitgliederinstitutionen der Föderation ARTISET einerseits eine Wahl haben und andererseits ein faires Versicherungsangebot erhalten.
Kannst Du etwas genauer erläutern, wie der Weg von Funk aussieht?
Die Erfahrung zeigt, dass mit einem mehrstufigen Ausschreibungsprozess die besten Resultate erzielt werden. Dies beinhaltet vorab eine detaillierte Evaluation des IST-Zustandes, geht über die systematische Analyse und das Hinterfragen der vorhandenen Daten, um dann die optimale Versicherungslösung sowie die Prämie dafür zu berechnen. Danach wird entschieden, ob "nur" mit dem bestehenden Versicherungspartner verhandelt oder eine Ausschreibung getätigt werden soll. Dabei ist die permanente Einbindung der Institution von zentraler Bedeutung, damit am Schluss eine für alle Parteien tragbare Lösung resultiert.
Besser ist es aber sicherlich, wenn es zu gar keiner Sanierungsmassnahme kommt. Wo können deiner Meinung nach Institutionen präventiv ansetzen?
Wie bereits zu Beginn erwähnt, sind die meisten Absenzen den Psychischen- sowie Muskel/Skelett-Krankheiten zuzuordnen. Also sollten die Institutionen, beziehungsweisen deren Leitungen, diesen beiden Haupttreibern mehr Beachtung schenken.
Die Frage stellt sich somit, welches sind die Ursachen dafür und wie kann man diesen begegnen?
Wir bei Funk sehen multiple sowie kumulierende Faktoren, die den Ursachen für Fehlzeiten entgegenwirken können. Eine gesunde Führung soll einerseits Motivations-Förderer kennen und anwenden, andererseits Motivations-Killer identifizieren und vermeiden. Zudem ist es ratsam Methoden zu entwickeln, wie die psychische Gesundheit im Arbeitsumfeld verbessert werden kann. Es geht dabei insbesondere darum, Veränderungen bei Mitarbeitenden zu erkennen, zu verstehen und gezielt ansprechen sowie Unterstützung bieten zu können. Ein weiterer Punkt liegt im Selbst- und Stressmanagement der Mitarbeitenden und Führungspersonen. Die eigene Lebenssituation kennt nicht nur Herausforderungen am Arbeitsplatz sondern auch im privaten Umfeld, mit welchen man sich auseinandersetzen soll. Dabei müssen einem die Belastung der Gesamtzahl von Herausforderungen sowie die eigenen zur Verfügung stehenden Ressourcen zur Bewältigung dieser Herausforderungen bewusst sein. Zudem sollte man Werkzeuge für ein besseres Zeitmanagement entwickeln respektive als Führungskraft seine Mitarbeitenden dazu befähigen. Abschliessend geht es darum die Resilienz der Personen und der Organisation zu stärken, indem Strategien zur Stärkung der eigenen Widerstandskraft entwickelt werden. Gemeinsame Erfolge sollen gezielt in den Teams reflektiert und weiterverfolgt werden.
Zur Person
Angelo Renfer
Senior Mandatsleiter / Fachbereich Personenversicherungen (KTG/UVG)
Angelo Renfer ist seit über 25 Jahren beruflich im B2B-Dienstleistungssektor aktiv. Ab 2004 war er in der Assekuranzbranche bei diversen Versicherungsgesellschaften tätig und verantwortete dort das Firmenkundengeschäft. Im September 2019 wechselt er zur Funk Gruppe. Hier schätzt er die rechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit von den Versicherungsgesellschaften und somit die Anbieter-neutrale Beratung und Unterstützung der Funk-Kunden.
Angelo Renfer verfügt über einen Executive Master of Business Administration (EMBA) sowie das eidgenössische Verkaufsleiter-Diplom.
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